Panama:  29.02.2020 – ???

Der Grenzort Paso Canoa irritiert uns mit all den verschiedenen Geschäfts- und Verkaufshäusern, dem Verkehr in den Strassen in alle Richtungen, den vielen Leuten. Hoffentlich haben wir uns für eine günstige Zeit entschieden, d.h. nach der Frühstückspause und vor der Mittagssiesta. Wir fahren mal geradeaus und landen vor der panamaischen Versicherung. Der Versicherungsbeamte zeigt uns eine gute Parkmöglichkeit und begleitet uns, nachdem wir die Autoversicherung für Panama erledigt haben (zum Glück, denn etwas später ist der Schalter geschlossen!), also er begleitet uns zackig durch sämtlich zu besuchenden Schalter: Formular hier, Stempel dort, Kopie da, Auschecken dort drüben, Auto abmelden auf der andern Stassenseite, warten, Gebühren ab und zu für Einreise, oder Versicherung, oder Fumigation (Autodesinfektion) und natürlich ein Trinkgeld für den Beamten. Nach rassigen 1 ½ Stunden sind wir endgültig in Panama. Wieder mal Glück gehabt, kein Autoscannen, nur kurzer Blick ins Innere, fertig.

In der Cordillera Central, dem hohen Gebirgszug, sollte ein hübscher Übernachtungsplatz sein, der sich jedoch als unmöglich herausstellte. Ein hübscher Bachlauf, wo schwarzhaarige, kleinwüchsige aber kräftige Indigenas im Wasser sitzen wäre ebenfalls ein netter Platz, aber in der Nacht würden wir doch gar einsam hier stehen. Also fahren wir weiter nach Boquete, auf der andern Seite der höchsten Erhebung von Panama, dem Vulkan Barú (3‘474m). Boquete ist Herkunftsort des besten Kaffees wird gesagt, was viele auch inländische Touristen anzieht. Ein anderer Anziehungspunkt ist die Besteigung des Vulkans. Um 11Uhr nachts wird losmarschiert, um den Sonnenaufgang um 5.30h zu erleben und bei klarem Wetter beide Meere, den Atlantik sowie den Pazifik von oben zu sehen. Nächstentags spazieren wir 2 Stunden hoch in der Hoffnung, vielleicht nochmals einen Quetzal-Vogel zu sehen. Es ist 11 Uhr und die vielen, meist Jungen Nachtwanderer kommen uns entgegen, eingepackt mit Wollmützen und dicken Handschuhen. Der Geröllweg ist steil und rutschig, nein ganz hoch wollen unsere Beine nicht. Dafür ist die Wanderung zu den 3 Wasserfällen am nächsten Tag umso schöner. Ich schaff es nur bis zum Zweiten, bin ich doch kürzlich wieder mal hingefallen. Richard erklimmt noch den hübschen Dritten, natürlich geht’s wie immer sehr sehr steil aufwärts.

Einen Tag lang gönnen wir uns ein ‚dolce far niente‘ am 22km langen wochentags menschenleeren und heissen Strand von Las Lajas. Zurück geht’s in die erfrischenden Berge – in San Francisco überrascht die äusserlich unscheinbare Barockkirche. Der bunt bemalene Holzaltar mit farbigen Früchten und Tiermotiven hat einst viele Ungläubige zum Christentum gelockt. Santa Fe ist ein kleines Bergdorf, entspannt, einige Verkaufsläden, 3 Restaurants, 3 hübsche Hostels, Kirche mit Sportplatz daneben, kleiner Dorfplatz mit freiem Wifi. Der gesprächige Polizist zeigt uns einige Spaziergänge nur 5 Min. zum Fluss runter (vermutlich hat er das Auto gemeint), die Strasse ist natürlich wieder extrem steil und auf dem Nachhauseweg nimmt uns ein Einheimischer, herzlichen Dank, im Auto mit. Tina und Felix erzählten letzten November von einer nicht eingetragenen Strasse an das karibische Meer. Die Strasse war noch nicht ganz fertig, die Brücke schon gar nicht, also mussten sie den Fluss passieren. Endstation war ein kleines Dorf auf Stelzen gebaut, mit nur selten Strom und einem kleinen Kiosk mit dem Nötigsten zum Einkaufen. Wir wollen sehen, ob die Brücke fertig ist. 51km sind es von Santa Fe (dem Hauptort für ‚Grosseinkäufe‘) bis nach Calovébora. Die neue fertige Asphaltstrasse schlängelt sich kurvig durch Weiler im Regenwald mit einer selten gesehenen Steigung, rauf und wieder runter. In Santa Fe ist die etwa 35jährige Nieve zugestiegen, sie wohnt am Meer mit Mann und 8 Kindern im einfachen kleinen Holzhaus auf Stelzen mit Palmblätterdach. Die älteste Tochter ist bereits 21. Die Mutter benötigte Schulmaterial für eines ihrer Kinder und erspart mit der Mitfahrt das Geld für den Bus. Das Meer ist wild, zu gefährlich in dieser Jahreszeit für die Fischer, besser sei jetzt der Fluss, der hier ins Meer mündet, meinen die Männer am Strand. Und doch fährt ein Boot raus, schneidet die donnernden Wellen, das Boot bäumt sich beinahe senkrecht hoch, tänzelt auf der Wellenkrone um dann ins Wellental zu krachen. Die kleinwüchsigen Männer sind zäh, das ganzjährige feuchtnasse Wetter gewohnt – ob noch Blut der Moskito-Vorfahren in ihnen fliesst?

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Südwestlich von Santa Fe liegt der Stausee La Laguna Yeguada umkreist von einem Pinienwald. Es ist extrem ruhig hier, wir geniessen die Stille, den Spaziergang zum nahen kleinen aber sehr hübschen Wasserfall und zurück über den Dammweg. Hier am Rande der Cordillera Central wächst rundherum im hügeligen Gelände Sekundärwald, in der Pazifikebene trockenes sawannenähnliches Farmland.

El Valle de Antón, auf 600m Höhe liegt inmitten eines 20km grossen kreisrunden Kraterkessels. Ein frühlingshafter Ort mit einer unglaublich tropischen Vielfalt. Kein Wunder zieht er viele Panamaer an, die hier ein Ferienhäuschen errichtet haben. Hier treffen wir Reto und Dominik, zwei junge Männer aus dem Entlebuch, die mit uns die Verschiffung auf der Containerplattform im Flat Rack von Panama/Colon nach Cartagena/Kolumbien teilen werden. Es gibt viel zu erzählen bei Bier und Spaghetti Bolo, bis tief in die Nacht. Unsere Verschiffungsagentin Tea hat die beiden verpflichten können, die Überfahrt gemeinsam zu planen, so können wir uns die doch recht teuren Überfahrtskosten teilen.

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Panama City sehen wir uns nur kurz an. Wir werden nach der Camperabgabe am Verschiffungshafen in Colón noch 2 Tage zur Verfügung haben die Stadt genauer kennen zu lernen.  Heute stehen wir, nach einer kurzen Nacht auf dem Gelände eines Einkaufszentrums, um 05.00h bereit für die Autoinspektion durch Interpol sowie für die Genehmigung der Autoverschiffung nach Kolumbien. Grosser Rede kurze Sache, um 14.00h dürfen wir die Papierformalitäten abholen. Noch ‚schnell‘ (unser Navi will nicht so recht) die gewünschte Bank aufsuchen, um die Bareinzahlung für Verschiffung und Agentin zu tätigen. Dann geht es hurtig zum Miraflores Visitors Center. Hier an den ersten 2 Schleusen bestaunen wir die grossen Tanker und Containerschiffe und werden im Imax-Kino über die Entstehung und Erneuerung des Panamakanals informiert, was wirklich sehr interessant ist. Die ganze Kanallänge von 81km ist durch Stacheldraht kaum zugänglich, ausser in Gamboa, dort wo der Rio Chagres den gestauten Gatúnsee in 27m höhe speist oder in Colón beim ehemals gebauten Kanal der Franzosen 1881.

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Die Informationen über den sich ausbreitenden Coronavirus füllen die Internetseiten. Noch können wir uns sehr frei bewegen. Am 12. März erhalten wir von der Marine die Bestätigung, dass die Einreise in die eigentlich geschlossenen Grenzen zu den Saint Blas-Inseln sowie nach Kolumbien für unser Segelschiff, mit dem wir überschiffen wollen, noch genehmigt wird. Toll, bis zur Autoabgabe im Hafen zu Colón am 18. reicht ein paartägiger Ausflug in den südkaribischen Dschungel (‚leider‘ ohne Internetempfang). Die 3 Tage sind herrlich, ruhig, entspannend, ein 3-stündiger Ausflug in die trockensumpfige Savanne ein Erlebnis. Umso mehr überrascht uns die Informationsflut nach der Rückkehr in die ‚Zivilisation‘: Extremsituation in Europa, auch hier in Panama sind inzwischen sämtliche Grenzen geschlossen. Wir fahren zurück zum Gatúnsee und überlegen was wir tun sollen. Zur Ausreise benötigen wir einen Zollstellplatz für das Auto mit Abmeldestempel, nur so können wir ausreisen. Die Informationen sind träge, EDA, Zoll, Flughafen, Behörden, niemand weiss genau Bescheid. …und wir bräuchten sicher 2-3 Tage bis alles geregelt ist für einen Heimflug. Inzwischen ist der internationale Flughafen für 30 Tage geschlossen, wir stehen noch immer am Gatúnsee auf einer privaten Landzunge zusammen mit einem deutschen Ehepaar und harren der Dinge die da kommen werden.

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23. März: Ende Monat verfällt die Aufenthaltsgenehmigung für den Camper. Problemlos erhalten wir in Colón in der Migration 1 Monat Verlängerung. Personen dürfen sich 3 Monate im Land aufhalten.

24. März: Ausgang nur von 06.00-17.00h möglich. Gemeinsamer Spaziergang bis zum Hotel Melia 2,5 km entfernt.

25. März: totale Ausgangssperre, d.h. Einkaufen möglich, jedoch nur 1 Person/Familie. Wir kaufen beim Libanesen und beim Chinesen ein – gutes Sortiment, wenige Leute. Kaufen so gut es geht etwas auf Reserve ein, ebenso Masken, Handschuhe und Alkoholgel für die Hände. Wasser können wir noch einfach an einem Häuschen in der Strassenmitte bunkern. Im ganzen Land gilt Alkoholverbot.

Wir sind glücklich, dieses kleine Paradies am See gefunden zu haben. Der Patron erlaubt uns grosszügigerweise hier unbeschränkt und kostenfrei stehen zu dürfen – Dusch- und WC-Häuschen auf dem Terrain erleichtern uns den Alltag, der See ist klar und sauber, Kaimane sind uns noch keine begegnet, die Sonne speist unsere Solarpannels sodass wir genügend Strom produzieren für Kühlschrank und div. Akkus. Zur Not stehen uns sogar 2 Zimmer, ein grosser Kühlschrank und Waschmaschine zu Verfügung. Wir sind enorm dankbar!

 

26. März: Wir gehen am Abend ins Kino. Cornelia und Stefan, unsere Nachbarn, laden uns zu einem Filmabend unter das schattenspendende Strohdach ein.

27. März: heute ginge ein Flug in die Schweiz, unmöglich für uns, so kurzfristig zu agieren. Jedoch am 29. fliegt eine KLM nochmals nach Amsterdam. Unsere Anmeldung wird bestätigt. Der Rest des Tages wird telefoniert und eMails geschrieben in der Hoffnung genaues zu erfahren, was mit unseren Wohnmobilen passiert, wenn wir das Land verlassen ohne die Autos abgemeldet zu haben. Niemand weiss Bescheid. Das Migrationsamt hat heute frühzeitig geschlossen.

 

28. März: weitere Telefonate mit Behörden, Reisefreunden. Unser Stehplatzbesitzer schreibt eine Bestätigung, dass wir unser rollendes Zuhause auf seinem 'Firmengelände' stehen lassen dürfen. Die EDA erteilt uns ein 'Laisser passer'-Mail, damit wir die Genehmigung erhalten zum Flughafen gefahren zu werden. Unsere Autos dürfen wir auf dem Gelände hinter einem Gitter einschliessen und hoffen auf einen einigermassen einbruchsicheren Ort.

29. März: das Nötigste ist gepackt, die beiden Camper so gut wie möglich innwendig gereinigt, Fenster und Abflussrohre geschlossen, damit auch keine einzige der draussen gesehenen Riesenkakerlaken irgendwie den Weg ins Innere finden kann. Punkt 11Uhr erwartet uns ein Taxi. Mit einem herzlichen Dankeschön winken wir Hernan , unserem Platzbetreuer und Organisator, ein letztes Mal zu. Der mit Mundschutz und behandschuhte Taxifahrer fährt uns rassig die 80km zum Flughafen Tocumen. Die 2 Polizeikontrollen passieren wir ohne Probleme und ohne Fiebermessen. Viele Passagiere warten, am späten Nachmittag fliegen Iberia und KLM, obwohl der Flughafen geschlossen ist (?). Edelweiss wird die nächsten 14 Tage laut EDA nicht fliegen. Wir checken aus, ohne Stempel - ob das bei der Wiedereinreise Probleme geben wird? Wir lassen uns überraschen und denken noch nicht daran. Pünktlich hebt die Maschine ab nach Amsterdam. Hier trennen wir uns von Cornelia und Stefan - ja, schön war es in Panama in unserem kleinen Paradies! Sie nehmen den Zug nach München, wir die Swiss nach Zürich.

30. März: Danke Denise für den vollen Kühlschrank, danke Denise und Philipp für alles ..., danke auch dir Lukas, und meinem Bruder Alex gilt ein spezieller Dank !

 

Wir bleiben 10 Tage in Selbstquarantäne, standen die Passagiere zeitweise doch recht nahe beieinander.

 

Auch euch, liebe Leser, herzlichen Dank für eure gedankliche Begleitung hier auf der Homepage, via WhatsApp oder Mail !