Kolumbien

ab26.08.2021

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Ausreise Panama - Einreise Kolumbien alles verläuft bestens. Ja, hier sind wir nun angekommen, da wo wir letztes Jahr im Frühling gerne hingereist wären. Das Containerschiff mit unserer kostbaren Fracht erreicht pünktlich den Hafen von Cartagena. Ana, unsere hiesige Agentin, hat bereits Vorarbeit geleistet, denn üblicherweise dauert es 3 Tage, bis das Auto aus Zoll und Hafen entlassen wird. Juan, der Argentinier und Richard stehen mit langen Hosen, langärmligem Hemd (musste am Vortag noch gekauft werden), geschlossenen Schuhen, Covid-Antigentest-negativ (musste auch am Vortag in einem Labor gemacht werden), Signalweste und Helm im Hafengelände und betrachten ihre Autos auf dem Flat Rack-Gestell. Ja und jetzt? Neeein, die Autoschlüssel sind auf dem Containerschiff geblieben das den Hafen bereits wieder verlassen hat. Ana nimmt uns alle zu sich ins Büro nach Hause mit. Wir werden verköstigt und warten weitere 3 Stunden. Die Autoversicherung schliesst die kolumbianische Versicherung für Juan ab und verlangt, dass die erst bezahlt werden soll, bevor sie die unsere abschliesst. Nein sowas. Wir setzen sanft Druck auf und schlussendlich klappt’s und beide Autos sind versichert. Nun warten wir auf den Hafenbrief zur Autoausfuhr, der kurz vor Feierabend doch noch ausgehändigt wird. Also nochmals zum Hafengelände und Richard darf seinen Camper mit dem Reserveschlüssel rausfahren. Juan besitzt nur einen Schlüssel, eben der der auf dem Schiff geblieben ist. Um sein Auto von der Rampe runtergefahren zu werden, muss das Auto aufgebrochen werden, was selbstverständlich zu Lasten von Juan geht, da niemand schuld ist (!). Ana ist stolz, ihre Arbeit in einem Tag erledigt zu haben. Zwei Tage später sind wir alle im Besitz unserer Autoschlüssel. Während dieser Tag erlebten wir die schöne lebendige Stadt Cartagena mit ihrem alten Zentrum, dem aufgepeppte Quartier Getsemaní mit ihren kleinen Strassen voller schönster Wandmalereien, die Burg San Felipe, die Edel- und Armenviertel und die Flaniermeilen am Meeresrand.

Touristisch ist die Karibikküste ein Magnetpunkt für Kolumbianer, das Wasser salziger und schöner als die Pazifikküste, der Strand heller und einladender. Viele aus dem Süden und Bogota reisen hierhin in die Ferien. Unsere Berner Reisefreunde, in Guatemala kennengelernt, gedenken einige letzte Ferientag in Palomino zu verbringen. Auf dem Weg zu ihnen begrüssen wir kurz eine  ehemalige Arbeitskollegin unserer Tochter an einem breiten, schönen, aber menschenleeren Strand. Die Regenzeit hat bereits wieder begonnen. Palominos Strand ist etwas trostlos und Sandfliegen verstechen qualvoll Füsse und Beine. Das Wiedersehen mit Lisa uns Steff ist herzlich. Unter dem Palmdach vor dem Regen geschützt erzählen sie von ihrer bunten Reise durch Kolumbien. 3 Monate waren sie total in diesem vielseitigen Land unterwegs, unterbrochen durch die Pandemie. Die Grenzen in den Süden scheinen noch für längere Zeit geschlossen zu bleiben, deshalb haben sie entschlossen, ihren Camper nach Hause zu verschiffen. Während ihrer Reise seien sie ausser Kolumbianern keinen Touristen begegnet. Und nun beginnt die starke Regenzeit bis Ende November.

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Am nächsten Tag trennen wir uns bereits wieder - nächstes Wiedersehen irgendwann in Bern. Vor dem nächsten grossen Gutsch würden wir gerne zum nördlichsten Teil Südamerikas, der Halbinsel Guajira, nahe der venezolanischen Grenze fahren. Einen sicheren Übernachtungsplatz suchend werden wir hinter einem hohen Tor einer ehemaligen Kiteschule in Riohacha fündig. Der quirlige Italo fährt am frühen Folgetag Gäste in dieses Gebiet und muntert uns auf ihm einfach zu folgen. Nicht sehr einfach, denn er fährt schnell, erst durch die radtief durchlöcherte Asphaltstrasse, über mit Ästen versperrten Strassensperren der Indigenen, dann durch matschigen lehmsandschlamm querfeldein – wir hätten uns komplett verloren wäre er nicht ab und zu am Horizont erhascht worden. Dieses Gebiet wird mehrheitlich vom indigenen Volk der Wayúu autonom verwaltet, die gleichzeitig Kolumbianer und Venezolaner sind. Es ist eine fast wüstenhaft anmutende Savanne mit viel zähem Dornengestrüpp,  Schmuggelgebiet, rauh, unwirtlich und manchmal unmenschlich. Indigene Kinder spannen Seile als Strassensperren oder stehen mitten in Weg, die Hand ausgestreckt. Wir wurden gewarnt auf keinen Fall anzuhalten, was wir immer befolgen, hupend manchmal und Gas gebend. Am Vortag hatte es viel geregnet und unser Ziel ‚Cabo de la Vela‘ stand etwa 60cm im Wasser. Nun sind die Wege wieder einigermassen passierbar, manchmal knietief unter Wasser, die Autos schlinkernd im Matsch. Wir besuchen den Regenbogenstrand, weil die Brandung bei Sonnenuntergang einen Regenbogen hin zaubert, besteigen den heiligen Berg der Wayúu den ‚Pilón de Azúcar, den ‚Ojo de Agua‘ mit dem ‚Mirador de la Tortuga‘ und ‚El Cabo‘ mit den Leuchtturm (el faro). Für manchen Wayúu liegt hier Jepira, der mythische Eintritt ins Jenseits. Nach einer sehr ruhigen Nacht zwischen Hütten einer Kiteschule (von der Schweizerin Sabrina geführt) entscheiden wir uns im Alleingang via ‚Haupterdweg‘ zurück zu fahren, denn dunkle Wolken versprechen ein kaum Durchkommen im Matsch. Gerne wären wir zur Punta Gallina hochgefahren (dem allernördlichsten Punkt), jedoch bräuchte es einen wegkundigen Guide und Trockenzeit. Nach ca 5 Stunden kommen wir heil, und das Auto rundum eingepackt mit Matsch, in Riohacha wieder an.

Nun entspannen wir uns für einige Tage in den Hügeln im kühleren Minca, machen lange Spaziergänge zu herrlichen Wasserfällen und Planschbecken und… geniessen den leckeren Zopf eines waschechten ausgewanderten Berners.

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Südwärts folgen wir der stark befahrenen 45er. 75° der Fahrzeuge sind schwere 40Tönner, 15° Töffs und der Rest Autos. Der Übernachtungsplatz ist wieder einmal ein Truckerrastplatz und Richard gerät ins Fotofieber beim Einnachten und den bunten vorbeifahrenden Lichtern. Genug der vielen Trucks freuen wir uns über einen Schwenker durch das ebene Schwemmland des enormen Rio Magdalena. Vieles steht unter Wasser, so auch knietief die Kühe, manchmal Wasserbüffel und bauchtief die Pferde. Von den sehr ärmlichen Häusern wird direkt in den Einbaum gestiegen. Ob das Gebiet ganzjährig unter Wasser steht weiss ich nicht, aber sicher oft. An Santa Cruz de Mompós, kurz Mompox, unserem nächsten Ziel, fahren wir erst vorbei. Mumpitz, dachten wir – die ärmlichen Häuser der Hauptstrasse entlang laden nicht zum Halten an, auch finden wir keinen Eingang ins Dorfzentrum, zu schmale Strässchen. Nach konsultieren der Karte und des Reisebuchs müssen wir feststellen, dass es doch der richtige Ort ist. Also zurück und nach Fragen finden wir doch hinein. Ein lohnenswerter Ausflug: koloniale Baukunst, mit maurischen und indigenen Einflüssen und explosiv zugewachsenen Patios (Innenhöfen). Frech übernachten wir vor einer der Kirchen am Wasser und fühlen uns total sicher.

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Die Leute hier sind ganz extrem freundlich, manchmal so zuvorkommend und hilfreich, dass es uns beinahe zuviel wird und wir dann fluchtartig den Ort verlassen; z.B. eine Ortsführung anbietend, damit sie in den Genuss des Englischübens kommen, oder nach einem Plauderminütchen das Haus zeigen wollen, oder rumtelefonieren für einen sicheren Übernachtungsplatz für uns, oder vielleicht doch noch einen Ameisensnack versuchen? Das krakenförmig sich ausbreitende Bucaramango umfahren wir in Richtung San Gil. Viele Baustellen, mit Rotlicht einbahnfahrende Tunnels, beinahe nur Lastwagen schlängeln sich die Passstrasse hoch, immer höher bis zur Passhöhe – und da steht ein Park mit allerlei Zerstreuungen, für jeden Adrenalinspass etwas: z.B. ein moderner Aquapark, Felswipfelpfad, Gleitschirmtandem, Seilbahn über den Schlund des imposanten Cañon Chicamocha… Zum Schlafen geniessen wir unweit ein herrliches Panorama bis weit ins Tal.

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Ob San Gil, entlang wuchtiger Greisenbart (tillandsia) behangener Bäume, erwartet uns das hübsche, saubergewischte Barichara, angeschmiegt an einer Felsabbruchkante, mit ihren weissen, meist einstöckigen Häusern und den ziegelgedeckten Dächern an der mit natursteinen ausgelegten steilen Strassen. Einige Tage erholen wir uns bei Joep und Julia, zwei vor Jahren hier ansässig gewordenen Holländern. Ihrem Architekten (und Archäologie-)  Beruf können die beiden freien Lauf geben, und es ist ein traumhafter Ort zum Wohlfühlen geworden.

180m hoch ist der schmale Wasserfall Juan Curí, der in einer Schlucht mit üppiger Vegetation nach etwa 20min erreicht wird. Eine Fallstufe höher kann man baden. Nach einer weiteren steilen Fallstufe erreicht Richard den 2. gleichhohen Wasserfall und winkt zu mir herunter. In der Zwischenzeit haben mich Kolumbianer überredet wie sie unter dem Fall zu duschen. Das Wasser ist kalt, und wie ihresgleichen stelle ich mich mit allen Kleidern darunter. Viele sitzen im Bachpool und ich wundere mich wie die sonst so gfrörligen Einheimischen es so lange im frischen Nass aushalten. Nochmals staune ich wer und was alles hier heraufkommt: Grossmütter an Stöcken, Grossfamilien mit Kleinkindern und Kinderwagen, Picknickkörben, Bebes unter dem Arm geklemmt, Musikboxen… Vor kurzem waren wir noch alleine, nun findet man kaum einen leeren Platz. Zeit zurückzukehren.

Statt über San Gil um die gute Strasse nach Sogamoso zu nehmen (nur 2 Std) entscheiden wir, im selben Tal südwärts zu fahren, zwar mit schlechter Asphaltstrasse, aber in 4 Std. machbar. Charalá ist hübsch, der Park vor der Kirche mit dem über den ganzen Platz ausladenden Riesenästen des Samán- oder Regenbaumes, ein kurzes Plauderstündchen da und dort, dann der heutige Stiermarkt mit Vehhändlern – ach, es gibt wieder so viel zu sehen. Ja dann kommt die kleine Brücke, wir hätten nur der Asphaltstrasse folgen sollen, aber MapsMe zeigt auf die Erdstrasse. Das Resultat ist eine Tagestour auf Holperpiste und Erdweg, aber sehr spannend, an einsamen Hütten vorbei, durch Farnbaumwälder, ein Bach mit rotem Wasser gurgelt über gelbe Steine, an einem Tao(sekten)dorf vorbei, das weit weg der Zivilisation liegt, bis zur Verzweigung wo zum Glück ein lachender Herr steht, der uns in die andere Richtung schickt – ja, nur noch etwa 3 Std Fahrt, die Strasse werde besser :-D meint er. Und dann, es dunkelt bereits, ist er vorgesehene Übernachtungsplatz eine enge Sackgasse. Leute eilen zu Hilfe um Richard rückwärtsfahrend aus der kleinen Misere zu helfen, der zweite Platz gibt es unterdessen nicht mehr, also weiter zum Totasee über einen kleinen Pass. Inzwischen ist es dunkel, zwei weitere iOverlander-Plätze sind auch nicht mehr gültig, so fahren wir nach Aquitania (3100m) und schlafen ruhig und sicher am Dorfplatz. Die Leute hier tragen Ponchos und Hüte und viele indigener Abstammung arbeiten von Hand auf den unzähligen Zwiebellauchfeldern rund um den See.

In wenigen Stunden erreichen wir über kahle Berge auf ausgezeichneten Strassen fahrend Villa de Leyva, das touristische Kleinod, gepflegt, ökologisch denkend, gut organisiert.

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Das kleine Städtchen gefällt uns, die kopfsteingepflasterten Gässlein sind gesäumt von gekalkten Häusern im andalusischen Stil, in deren Patios Bougainvillea und Oleander wachsen. Blumen hängen von den Balkonen, Restaurants, Cafés, kleine Hotels und Kunstgewerbeläden dominieren den Ort. Die Umgebung ist reich an fossilen Funden, und um Villa de Leyva touristisch noch attraktiver zu machen stehen abenteuerliche Vergnügen zu Verfügung: Reiten oder Quad zur Miniwüste und den künstlichen tiefblauen Seelein, Velofahren in luftiger Höhe auf Drahtseilen, den extrem schmalen Pfad über einen steilen Hügelgrat überwandern (der Engelsweg), es gibt viele Wanderrouten in der Region, oder gemächlicher ein Weingut (Kolumbianer sind selten Weintrinker) oder Spuren antiker Wandmalereien besichtigen oder das 1500 Jahre alte Himmelsobsarvatorium der Muisca-Indianer (das kolumbianische Stonehenge) bestaunen. Uns beeindruckt das surreal anmutende Terracotahaus des Architekten Octavio Mendoza, erbaut aus dem Lehm der Gegend und Stück um Stück vor Ort gebrannt. Es ist über das Dach begehbar und obwohl es wegen Covid geschlossen ist, lassen die grossen verglasten Portale genügend Einblicke in das faszinierend/skurrile Innere.

Wenige Kilometer entfernt liegt Ráquira, das Töpferdorf. Sie bieten Töpferwaren in allen Grössen und Formen an und natürlich Hängematten in allen Farben. Die wenigen Strassen zieren Häuserfassaden in den leuchtendsten Bemalungen mit kolorierten Balkonen und Balustraden und dazu die überfüllten Souvenierläden – eine wahre bunte Überforderung der Sinne.

Uns zieht es in die Ruhe der Natur. Las Gachas ist ein kleiner Fluss, erreichbar wieder mal über schauerlichste  Asphaltstrasse unberechenbar gespickt mit grossen Löchern hinter Kurven lauernd, markiert durch einen eingesteckten Ast oder Pneu, tiefen Verwerfungen, die man ganz langsam zu umfahren versucht, oder ‚ist da nicht ein Stück Strasse abgerutscht‘? Die folgende kilometerweite Erdstrasse ist kein bisschen besser. So erreichen wir den kleinen Ort Guadalupe in den Bergen. Die alte grosse Kirche ist sehr schön, vor allem mit dem davor üblichen Park, dieser aber bestückt mit 60 Palmen. Anstatt die Strasse zu verbessern wird eine neue riesige Kathedrale ausserhalb des Dorfes gebaut zu Ehren der schwarzen Maria von Guadalupe in Mexiko. Da sind meine Gedankengänge etwas verwirrt. Der vorgesehene Übernachtungsplatz ist wegen Bauarbeiten geschlossen, so dürfen wir uns trotzdem zwischen Kühen, Pferden und Handwerker in die Wiese stellen. Der Fluss ‚Las Gachas‘ ist etwas ganz besonderes. Er führt nicht viel Wasser, das höchstens handbreit über glatten Stein fliesst. Dazwischen aber haben sich ‚Jacuzzi‘-Becken gebildet bis zu 2m Durchmesser und manchmal bis 7m tief. Bei warmem Wetter einladend zum Bade. Aber Achtung, nicht vergessen in Socken über die nasse Bachfläche zu laufen - Rutschgefahr!

Ja, und dann heisst es zurück über die schlechten Strassen, neu mit meinem Arm im Gibs. Uns scheint, die steilen Berghänge, obwohl zum Teil dicht bewachsen, seien stets in Bewegung, die Hänge rutschen, das viele Wasser der langen und teils heftigen Regenperioden (von April bis Juni und von Oktober bis Mitte Dezember) unterspülen das Erdreich und tragen es grossflächig ab. Wie sollen da Strassen beständig sein? Oder fliesst das Staats- oder Departmentgeld in die falschen Löcher? Ich weiss es nicht.

Dieses Jahr regnet es anscheinend besonders heftig, die Wassermassen seien gewaltig. Wir haben noch nie so heftige Gewitter erlebt, wo ein Blitz den andern jagt und der Donner die Erde erbeben lässt. Einmal zuckte und krachte es dermassen, dass der ganze Strom der Umgebung ausfiel und zum Nachtessen kurzerhand Kerzen auf dem Tisch standen und ein Feuer im Kamin flackerte. Dicke Käfer suchten kribbelnd in unseren Dekolletés Unterschlupf. Es war gemütlich wie in einem Berghaus.

Die nächsten drei Orte imponieren durch ihre drei speziellen Kathedralen. Chiquinquirá ist die spirituelle Hauptstadt Kolumbiens. Die neoklassizistische doppeltürmige Basilika de Nuestra Señora  ist Pilgerort das ganze Jahr über. Papst Johannes Paul II besuchte 1996 das sich hier befindende wundertätige Bildnis der Jungfrau. Auf dem Marktplatz feilschen Schwarzhändler mit echten und falschen Smaragden um Käufer. In langen und schwierigen Kilometern durch die Berge werden in Otanche Hänge und Erde nach den edlen Smaragden durchpflügt.

Ubaté besticht mit ihrer hübschen weissen gotischen Kirche. Während Richard in einer Werkstatt eine Schraube im Pneu durch einen Flick ersetzen lässt, suche ich einen kleinen Laden auf, denn hier ist die Gegend der simmentaler Milchkühe (natürlich auch andere Rassen) und entsprechend wird hier anderer Käse als nur mozzarellaähnlicher hergestellt.

Die dritte aussergewöhnliche Kirche befindet sich in Zipaquirá. Es ist die Salzkathedrale. Kolumbien war vor millionen von Jahren, als die Erdplatten andere topografische Formen aufwiesen noch von einem Meer überflutet. Deshalb bestehen die Berge in dieser Gegend zu 70 % aus Salz. Bereits die Muisca-Indianer handelten mit in Gefässen zu Stein getrocknetem Salz. Die Minenarbeiter bauten  1954 aus Glaube und zu ihrer Hilfe und Unterstützung eine Kapelle in der Mine. 1995 entstand diese weltweit grösste und 3-schiffige unterirdische riesige geheimnisvoll beleuchtete Kathedrale. Besucher wandeln erst auf einem unterirdischen Kreuzweg, bevor sie in die Kathedrale hinabsteigen. Ein Engel grüsst mit der Inschrift ‚Ihr seid das Salz der Erde‘.

Unweit, hinter dem Stausee von Tominé, liegt der Bergsee von Guatavita in einem vor 2‘000 Jahren entstandenen kreisrunden Meteoritenkrater. Früher, in der Welt des Vokes der Muisca war hier der ‚Nabel des Universums‘ und damit einer der heiligsten Orte überhaupt. Eine Legende erzählt, dass der Lokalfürst zu Festivitäten und Ritualen ein Floss bestieg, eingölt und bestäubt mit purem Gold (El Dorado), und in der Mitte des Sees ein Bad nahm, währen das Volk ihm huldigte und Arbeiten aus Gold in den See warfen. Sie wussten hervorragend das pure Gold zu Ritualgegenständen und Körperschmuck zu verarbeiten. Die Suche nach Eldorado , ausgelöst durch pure  Goldgier, trieb viele Konquistadoren, Abenteurer und Glücksritter in den Tod. Viele der gefundenen Goldgegenstände wurden während der Eroberung Amerikas eingeschmolzen und nach Spanien verschifft. Etwa 35‘000 Objekte sind im interessanten Goldmuseum in Bogota zu bewundern. Noch heute ist die Lagune von Guatavita ein Heiliger Begegnungsort für Indigene.