Neufundland
19.-28. Juni 2017
 

Neufundland:  19. – 28. Juni 2017

 

Nach 6 Stunden Überfahrt mit der Fähre von Sydney nach Port aux Basques versperrt Nebel und trübes Wetter die Sicht auf unsere neue Destination Neufundland. Der Blick, vom damals in Halifax landendenden Flugzeug aus, auf die Schneeübertupfe Insel, hinterliess ein grosses Fragezeichen bei mir – wie wird die sehr feuchte und zerklüftete Landschaft passierbar sein? Strassen wurden nur sehr wenige aus luftiger Höhe erblickt. Ein bisschen an Finnland erinnernd, sinniere ich. Die Insel Neufundland ist ein raues, vom Wetter und vom Einfluss des Atlantiks geprägtes Land. Das Regenwetter durchmischt sich mit einigen Sonnenstrahlen und Einwohner der Nordküste erzählen uns, dass vor zwei Wochen die Fischerhäfen noch zugefroren waren und die Fischer Ersatzhäfen in der Nähe anfahren mussten. Ein Einheimischer im schönsten Irischenglisch erzählt uns, dass die Kinder beim Baden von den Eisschollen ins kalte Nass springen. Ein anderer Junge freut sich über das tummeln mit Delphinen im Spätsommer. Ja, die Einwohner hier freuen sich über Besucher und haben Zeit, sehr viel Zeit mit uns zu plaudern oder einfach so daneben zu stehen. Uns freut’s auch. Und Eisberge hat es noch viele, zwar nicht mehr sooo grosse wie im April, aber je nach Wind und Strömung sind noch zahlreiche Buchten voll davon. Selten, so wird erzählt, gelangt gar ein Eisbär an die Küste, der dann eingeschläfert und zurück ins Polargebiet gebracht wird. In Twillingate und Bonavista erblicken wir doch noch grosse Eisberge. Wir glauben, gleich hinter dem nächsten Hügel ihnen ganz nahe zu sein, was mit Kletterei, der zerklüfteten felsigen Küste und wenigen Strassen, ein Ding der Unmöglichkeit wird. Dafür umschwärmen uns hunderte von Kormoranen und Papageitauchern, hocken vor ihren Bruthöhlen auf felsiger Höhe vis-à-vis, oder entspannen möwenumkreischt in der Tiefe auf dem ruhigen Wasser. Die Ortschaften sind klein, die ländlichen Einheimischen freundlich, die Strassen zum Teil witterungsbedingt sehr schlecht. Die sauren und moorigen Böden sind für die Landwirtschaft kaum nutzbar, so war der Fischfang (hauptsächlich Dorsch und Kabeljau) lange Zeit die ausschliessliche Lebensgrundlage. Der eisige und nährstoffreiche Labradorstrom trifft vor der Küste Neufundlands auf den wärmeren Golfstrom. So bildeten sich vor der Insel jene unvorstellbaren Kabeljaugründe, die heute das Land durch europäische Ausbeutung und Überfischung in eine existentielle Krise gestürzt hat. Heute freut sich Neufundland hauptsächlich über die Oelquellen und denTourismus. Die meisten Ureinwohner sind durch die vielen Einwanderer über diverse Jahrhunderte ausgestorben. Uns gefällt die urtümliche Landschaft, wir fühlen uns wohl hier auf der Insel. St.John’s ist Hauptstadt und Ballungszentrum zugleich und zeigt eine Betriebsamkeit und Gesichtsneutralität wie andere Grossstädte auch. Doch der grosse Naturhafen, die buntfarbigen Häuser und der Startpunkt der Trans-Canada-Highway sind einen Besuch wert.

An der Westküste  erklimmen wir unweit des ländlichen Fischerörtchens ‚Trout River‘ die ‚Tabellands‘, eine wüstenartige Mondlandschaft aus rotem Gestein, welche die tatsächliche Erdkruste zum Vorschein bringt. Natürlich darf die Bootstour im imposanten ‚Western Brook Pond‘, einem ehemaligen Fjord mit von Gletschern geschliffenen Bergrücken und Hängetäler mit immensen Wasserfällen, nicht ausgelassen werden, obwohl es bitterkalt windig ist. Unweit befindet sich auch der höchste Berg Neufundlands mit 814m, der Cabox. An der Westküste gibt’s noch einiges zu besichtigen, bevor wir via St. Antony in Saint Barbe die Fähre per Handyanruf und Internetbestellung für den nächsten Morgen buchen können.